Ausbildung zum Schiedsrichter

Eugen Strigel

(Informationen, welche bei der SRG Sigmaringen zu tragen kommen werden in "blau- kursiv" dargestellt!)

 

 

Teilnehmer

Die Teilnehmer kommen aus den vielfältigsten Gründen zu einem Neulingslehrgang. In vielen Fällen werden sie von Vereinsverantwortlichen dazu gedrängt, da die Vereine oft "Strafen" bezahlen müssen, wenn sie nicht genügend Schiedsrichter stellen. Dies ist in den einzelnen Landesverbänden unterschiedlich geregelt. Diese Teilnehmer kommen natürlich nicht immer mit großer Motivation zu den Lehrgängen. Ein Teil der Anwärter kommt aber, da er sich mit der Tätigkeit eines Schiedsrichters identifiziert und er auch eine sportliche Herausforderung darin sieht. Sportlicher Erfolg und ein Weiterkommen (Aufstieg) stehen an erster Stelle. Ein weiterer Teil muss aus Altergründen oder wegen einer Verletzung seine Karriere als Fußballspieler beenden und sieht im Schiedsrichteramt eine gute Möglichkeit sich weiterhin im Bereich "Fußball" zu engagieren. Oft kommen aber auch ganze Jugendmannschaften oder Schulklassen und melden sich zu solchen Schiedsrichter-Lehrgängen an. Die "Gruppendynamik" und ein Trainer oder Pädagoge stecken hinter solchen Teilnehmern. Die Fluktuation ist bei solchen "Gruppen" erfahrungsgemäß jedoch sehr groß. Hie und da kommen Leute, die sich einfach über das Regelwerk genauer informieren wollen. In vielen Fällen werden wohl auch die Söhne oder Töchter ihren Vätern nacheifern wollen und melden sich aus diesem Grunde zu einem Lehrgang an. Ich selbst wurde von einem Freund zur Teilnahme überredet, da er nicht alleine hingehen wollte. Nach einem Jahr beendete dieser Freund seine Schiedsrichter- Tätigkeit wieder, ich bin heute noch dabei. Ich persönlich finde Jugendliche, die schon aktiv Fußball gespielt haben und nicht mehr allzu jung sind, als die idealen Teilnehmer für einen Schiedsrichter- Lehrgang. Beispielsweise wenn sie den Sprung von den Jugendmannschaften zu den Aktiven nicht machen wollen. Viele gehen in diesem Alter dem Fußballsport verloren. Schiedsrichter, das wäre dann doch oft die Alternative. Aber auch ältere ehemaligen Fußballspieler sind uns herzlich willkommen. In der Bundesliga pfeifen muss ja dann nicht unbedigt das Ziel sein. Die Leitung von Jugendspielen kann genau so gut eine wirkliche Erfüllung für einen Schiedsrichter sein. Durch seine Tätigkeit wird es den Jugendlichen ermöglicht, dass sie unter neutraler Leitung Fußball spielen können.

 

Der Lehrgang ist für die Integration der Teilnehmer sehr wichtig. Die oftmals sehr jungen Teilnehmer müssen sich angesprochen fühlen und begeistert werden. "Schulmeisterliches" Verhalten wird nicht der rechte Weg sein. Aber trotzdem müssen die Teilnehmer auf den schweren Weg, der vor ihnen liegt, richtig vorbereitet werden. Während des Lehrgangs werden Lernen und Konzentration an oberster Stelle stehen. Wenn dann immer wieder aktuelle Dinge aus den Bundesligaspielen Eingang in die Lehrgänge finden, dann wird dies sicher das Interesse noch mehr wecken und die Aufmerksamkeit bleibt erhalten.

 

 

Lehrgangsleitung

Ein Schiedsrichter-Lehrgang wird von einem Schiedsrichter-Lehrwart geleitet. Teilweise werden die Lehrgänge auch von zwei verschiedenen Lehrwarten durchgeführt. Dies ist aber nur sinnvoll und möglich, wenn sich die beiden Lehrwarte ganz detailliert absprechen, damit es nicht zu "Doppelschulungen" kommt oder manche Punkte ganz unter den Tisch fallen. Wichtig dabei ist, das ein Lehrwart immer noch Praktiker ist und sich in die Schiedsrichter gut hineinversetzen kann. Teilweise werden auch Spitzen-Schiedsrichter in die Ausbildung mit einbezogen. Vorbilder können die Teilnehmer sicherlich auch noch zusätzlich motivieren. Ganz besonders wichtig aber ist, das der Lehrwart die Teilnehmer richtig ansprechen und begeistern kann, ein abwechslungsreiches Programm bietet und natürlich den "Lerninhalt" gut und verständlich vermitteln kann.

Lehrwart der SRG Sigmaringen ist Sportkamerad Reiner Wenk. Da dieser derzeit gesundheitlich eingeschränkt ist, übernimmt unser Freund und Lehrwart der SRG Saulgau, Leo Mimmo, wie schon im November 2011,2012 und 2013 voraussichtlich den Kurs.

 

 

Lehrgangsort

Große Bedeutung hat selbstverständlich auch die Festlegung des Lehrgangsorts. Er sollte möglichst zentral liegen, wenn er mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen ist, dann sind das ideale Voraussetzungen. Oft werden die Lehrgänge in Nebenräumen eines Sportheimes oder einer Gaststätte durchgeführt. Dabei sollte aber vorallem darauf geachtet werden, dass die Teilnehmer nicht durch andere Gäste gestört werden. Aber auch Sportschulen, allgemeine Schulen oder Hörsäle von Universitäten bieten oft sehr gute Voraussetzungen für solche Neulingslehrgänge. Wichtig dabei ist, dass die Teilnehmer in Ruhe arbeiten können, sich neue Medien einsetzen lassen und, dass Getränke zur Verfügung gestellt werden können. Gehen Lehrgänge über einen ganzen Tag, dann muss natürlich auch die Möglichkeit zu einem Mittagessen bestehen.

 

 

Einsatz von Medien

Ein Neulingslehrgang muss möglichst abwechslungsreich gestaltet werden. Dazu ist der Einsatz von verschiedenen Medien erforderlich.

Der Einsatz von verschiedenen Medien wird einen erfolgreichen Lehrgang ausmachen. Aber übertrieben werden sollte er natürlich nicht. Weniger ist manchmal mehr. Dass Ziel muss sein, einen abwechslungsreichen Lehrgang zu gestalten, aber in erster Linie die Schiedsrichter gut gerüstet in ihre ersten Spielleitungen zu schicken. Neben einem Regelheft, sollte den Teilnehmern eine Arbeitsmappe übergeben werden. In die Arbeitsmappe gehören neben den erforderlichen Anschriften der zuständigen Ansprechpartner auch Spielberichte, Spesenordnung mit den entsprechenden Vordrucken und auch die Spielordnung. Dazu gibt es in vielen Landesverbänden weitere Ausarbeitungen, wie Durchführungsbestimmungen usw.

Jeder erhält neben einem Regelheft und eines Schiedsrichterordners vom Verband wfv einen Schreibblock und einen Kugelschreiber dazu. Informationen betreffend der Ansprechpartner sowie der SRG sind dann bereits in das Handbuch eingearbeitet.

Inzwischen werden auch Inhalte über ein Online- Modul erarbeitet und entsprechend im Neulingskurs eingesetzt (e-learning)

 

Durchführung des Lehrgangs

Mit wie vielen Anwärtern ist die Durchführung eines Lehrgangs sinnvoll? Als Mindestzahl gilt allgemein 12 Teilnehmer. Der Aufwand für den Lehrwart und die Kreise muss in einer Relation zu den ausgebildeten Schiedsrichtern stehen. Die Höchstzahl der Teilnehmer liegt nach meiner Ansicht bei max. 40 Teilnehmern. Bei einer höheren Teilnehmerzahl sollte der Lehrgang geteilt werden und ein weiterer Neulingskurs muss organisiert werden. Die ideale Teilnehmerzahl liegt wohl bei ca. 20 Anwärtern.

Die Zahl 12 ist mind. vorgesehen, ansonsten kommt dieser Lehrgang nicht zu Stande.

Lehrgangsleiter ist der zuständige Schiedsrichter- Obmann oder der Lehrwart. Die Inhalte werden vom Lehrwart vermittelt.

 

 

Die Durchführung der Lehrgänge ist in den verschiedensten Varianten möglich. Normalerweise dauert ein Lehrgang acht Doppelstunden. Dies kann an acht Abenden erfolgen. Dabei ist darauf zu achten, dass sich der Lehrgang nicht zu lange hinzieht. Also pro Woche an zwei Abenden, so dass dann der Lehrgang längstens vier Wochen dauert, das wäre wohl ein angemessener Ablauf. Vorteil dieser Variante ist, dass die Teilnehmer nicht überfordert werden und sie den Unterrichtsstoff zu Hause aufarbeiten können. Der Nachteil ist, dass sie acht Mal anreisen müssen, und oftmals kommen andere Termine dazwischen. In vielen Fällen fehlen dann einzelne Teilnehmer immer wieder. Ein einmaliges Fehlen sollte aber akzeptiert werden.

Die Termine werden noch rechtzeitig bekanntgegeben. Auf pünktliches Erscheinen legen wir jedoch größten Wert. Disziplin verlangen wir als (spätere) Schiedsrichter auch von unseren Spielern.

 

Die intensive Aufarbeitung der einzelnen Regelthemen während des Lehrgangs ist zwingend notwendig. Dazu müssen auch noch weitere Bereiche behandelt werden, wie beispielsweise die Gewaltprävention, Passkontrolle, Spielbericht, korrekte Meldung von besonderen Vorkommnissen usw.

Nach jedem Lehrgang ist eine Regelprüfung abzulegen. Die Prüfungsfragen dazu werden vom DFB-Schiedsrichter-Ausschuß erstellt und sind bei allen Prüfungen im gesamten DFB-Bereich anzuwenden. Neben dieser Regelprüfung ist auch zusätzlich noch eine körperliche Leistungsprüfung (Fitnesstest) abzulegen. Die Normen dazu sind in den einzelnen Landesverbänden etwas unterschiedlich, wobei auch hier der Rahmen vom DFB-Schiedsrichter-Ausschuß vorgegeben wird. Die Prüfungen werden vom zuständigen Lehrwart oder Schiedsrichter-Obmann abgenommen. In manchen Landesverbänden wird dies auch von Mitgliedern des Verbands-Schiedsrichter-Ausschusses gemacht. Dies wäre der Idealfall, wobei es aber in den räumlichen großen Landesverbänden wohl nicht zu erreichen ist.

 

Ideal sind Lehrgänge in der Winterpause oder kurz vor Saisonbeginn, damit die neuen Schiedsrichter dann sofort die Möglichkeit haben bei Spielleitungen eingesetzt zu werden.

(Auszug aus dem Schiedsrichter-Handbuch des DFB "Respect")